Kosmetik selber machen bei Rosacea – Eine Einführung

Veröffentlicht am 03.07.2018 16:17 Uhr

Auf den ersten Blick erscheint es unsinnig: Warum sollte man bei den abertausenden Cremes, Seren und anderen Pflegeprodukten, die es auf dem Kosmetikmarkt so gibt, Zeit und Geld damit verschwenden, seine Hautpflege selbst zu rühren?

Tja, diese Frage stellen sich wohl hauptsächlich all jene beneidenswerte Menschen, deren Haut relativ robust ist und kaum auf potentiell irritierende Inhaltsstoffe reagiert. Für alle, die gerne wissen, was genau in ihrer Pflege drinnen ist oder die eine Problemhaut haben, ist die Frage nicht ganz so abwegig. Denn selten produzieren Kosmetikfirmen Produkte, die – auch wenn sie eindeutig für das jeweilige Hautproblem beworben werden – wirklich und wahrhaftig für die überempfindliche oder der im Falle der Rosacea sogar kranke Haut gemacht sind. Auch ohne einen tieferen Einblick in die Branche zu haben, kann man davon ausgehen, dass dies oft genug finanzielle Gründe hat. Warum sonst finden sich beispielsweise in Rosacea-Produkten reizende konservierende Alkohole oder billige Mineralöle, die dafür bekannt sind, die Haut abzudichten und so für Flushs zu sorgen?
Leider sind oft genug auch in Naturkosmetikprodukten, die explizit für die empfindliche Haut ausgelobt sind, potentiell irritierende Stoffe wie ätherische Öle zu finden.

Viele „Problemhäute“ in Rührforen

Kein Wunder also, dass man in den entsprechenden „Rührforen“ einige Menschen mit Hautproblemen wie einem seborrhoischen Ekzem, perioraler Dermatitis, Psoriasis und natürlich auch Rosacea antrifft. Man ist hier also als empfindlicher Hauttyp in bester Gesellschaft und kann sich mit erfahreneren Rührern austauschen – eine große Hilfe!

Ich persönlich habe sehr positive Erfahrungen in der Rührküche, dem Forum von Heike Käser, gemacht. Sie betreibt auch die für jeden Rührinteressierten sehr informative Seite olionatura.

Geduld ist gefragt!

Wenn auch du dich entschließt, die Pflege für deine Rosacea- oder empfindliche Haut selbst zu rühren, mach dir klar, dass vermutlich einige Rührversuche notwendig sein werden, bis eine Pflege entsteht, die in der Zusammensetzung (Wirkstoffe, Fettanteil, Konservierung) so gestaltet ist, dass du sie gut verträgst.

Im Folgenden schreibe ich über meine Erfahrungen und die, die ich von anderen Rührern im Forum so mitbekommen habe, damit all die, die einen ersten Einstieg in die Herstellung der eigenen Kosmetik finden wollen, ein paar grundlegende Infos zur Hand haben.

Rührpraxis: Die Fettphase

Es gibt einige Dinge, über die du dir vor dem Rühren klar werden solltest. Eines davon betrifft die Fettphase, also die enthaltenen Lipide (also Öle, aber auch Emulgatoren, Konsistenzgeber sowie fettlösliche Wirkstoffe) in deinem späteren Produkt. Dabei stellen sich die Fragen: Welche Öle willst du verwenden und wie hoch soll ihr Anteil in der fertigen Pflege sein? 

Bei Rosacea solltest du vor allem auf besonders reizfreie Öle, wie  Squalan, Neutralöl oder Wiesenschaumkrautöl  zurückgreifen. Manchmal werden auch andere Öle, wie Marulaöl, gut vertragen; oft wirken diese aufgrund der darin enthaltenen Stoffe, aber zu anregend für die empfindliche Rosacea-Haut. Hier tauschen Sie sich am besten mit anderen Rühren im Forum aus. Mit den oben genannten bist du aber auf der sicheren Seite.

Weiter zu beachten ist, dass hohe Fettphasen die Haut abdichten und bei Rosacea zu Hitzestaus führen können. Die Fettphase sollte also möglichst gering gehalten werden.
Heike Käser stellt auf ihrer Webseite verschiedene Zusammensetzungen von Pflegeprodukten vor, die sich in ihrem Anteil von von Fett- und Wasserphase unterscheiden. Für Rosacea-Betroffene empfiehlt sich wohl am ehesten ein leichtes Hydrodispersionsgel mit einer Fettphase von etwa 5-10%.  Zum Vergleich: 
Die meisten im Handel zu erwerbenden Produkte haben eine Fettphase von 15–30%.

Achtung auch, wenn eine Neigung zu Akne besteht: ein hoher Fettstoffgehalt lässt Propionibacterium acnes und Staphylococcus epidermidis wachsen.

Tipp: Im Winter oder wenn die Haut etwas reichhaltigere Pflege braucht (Trockenheit), kann die Fettphase minimal höher gestaltet werden. Eine Option ist dann auch, evtl. einen Tropfen eines reizarmen Öls zur gewohnten Pflege hinzuzugeben.

Rührpraxis: Die Wasserphase

Die Fettphase wird ergänzt durch die Wasserphase. Sie fällt, das sollte nun klar sein, wegen der niedrigen Fettphase entsprechend hoch aus. Das Problem hier: je höher die Wasserphase, desto anfälliger ist das Produkt für eine Verkeimung – damit steigt die Gefahr der Hautreizung. Eine gute Konservierung und eine hygienische Herstellung der Pflege (hierzu später mehr) ist also Pflicht. Die Industrie löst dieses Problem zum Teil durch sterile Entnahmesysteme, wie beispielsweise beim Produkt Tolérance Extreme von Avène.

Die Wasserphase besteht meist aus destilliertem Wasser (keine Angst, dass die Zelle hiervon platzen ist ein Internet-Mythos :-)) und manchmal auch Pflanzenwässern (Hydrolaten). Letztere sind zwar toll, da sie die wasserlöslichen Stoffe der jeweiligen Pflanze mit sich bringen, sind aber auch potente Wässerchen. Deshalb solltest du das Hydrolat erst einmal vorsichtig  testen.
Übrigens: Auch die wasserlöslichen Wirkstoffe (wie Panthenol) zählen zur Wasserphase.

Rührpraxis: Die Wirkstoffe

Damit kommen wir auch zum wohl interessantesten Punkt des Selberrührens: den Wirkstoffen. Sie lösen sich in Ölen oder Wasser (manchmal auch in beidem), müssen zum Teil bei bestimmten Temperaturen gelöst werden und benötigen manchmal einen bestimmten pH-Wert, um ihre Wirkung entfalten zu können.
Bevor du (zu) viele Wirkstoffe in entsprechenden Rührshops bestellst, mach dir klar, dass für normale Haut meist ein Prozentsatz von Wirkstoffen im fertigen Produkt von 10% (also z.B. 4% Panthenol, 2% Niacinamide und 4% Urea) verwendet wird. Es kann gut sein, dass deine Rosacea-Haut dies akzeptiert; oft wird aber auch eine geringere Wirkstoffkonzentration benötigt – beispielsweise 5%. Das musst du selbst austesten.

Auf den ersten Blick ist die Fülle der Inhaltsstoffe, die einem beim Durchsehen des Angebots von Rührshops wie alexmo bietet, unüberschaubar. Fast alles klingt gut und man will der Haut ja auch etwas Gutes tun, nicht wahr?
Leider nein. Denn gerade bei der Rosacea, das musste auch ich, wie so zahlreiche Selbstrührer nach zahlreichen Rührversuchen erkennen, geht es vor allem darum, eine wenig anregende Pflege mit wenigen Ölen und wenigen verträglichen Wirkstoffen herzustellen. Von den 100 Produkten, für die man sich interessiert, bleiben am Ende also vielleicht nur 10 übrig, die sich tatsächlich für die kranke Haut eignen. Wenn man dies erstmal erkannt hat, ist der erste Schritt  schonmal getan. Hier ist also Vernunft und etwas Disziplin beim Kauf gefragt 🙂
Besonders gute Erfahrungen haben ich und auch andere Rosacea-Betroffene unter anderem mit den folgenden Wirkstoffen gemacht (die empfohlenen Einsatzkonzentrationen lesen Sie auf den Shopseiten):

  • Panthenol (wundheilungsfördernd)
  • Allantoin (wundheilungsfördernd, regenerierend)
  • Niacinamid (entzündungshemmend und Anti-Aging)
  • Bisabolol (entzündungshemmend, wundheilungsfördernd)
  • Mäusedornextrakt in Glycerin gelöst (gefäßstabilisierend)
  • Weihrauchextrakt in Glycerin gelöst (entzündungshemmend)
  • Ectoin (wundheilungsfördernd, schützend, Anti-Aging)

Probier doch einfach selbst aus, welche Wirkstoffe deine Haut mag und welche nicht!

Achte beim Kauf der Wirkstoffe darauf, dass in ihnen kein Alkohol enthalten ist. Beispielsweise gibt es den Mäusedornextrakt auch als alkoholischen Auszug. Diesen solltest du vermeiden.

Rührpraxis: Der pH-Wert

Der pH-Wert sollte bei den selbst hergestellten Produkten auf einen hautfreundlichen pH-Wert von 5-5,5 eingestellt werden. Dieses leicht saure Wert unterstützt die Haut dabei, ihren natürlichen Säureschutzmantel zu bewahren und so weniger empfindlich auf Reize zu reagieren. Wenn ein Produkt zu stark in den alkalischen Bereich tendiert, also z.B. einen H-Wert von 7 hat, kann man sie vorsichtig mit Zitronensäurelösung einstellen. Man kann sie fertig kaufen.

Rührpraxis: Hygiene

Wer nicht bereit dazu ist, den entsprechenden Aufwand zu betreiben, um hygienisch zu arbeiten, für den ist das Selberrühren wohl eher nichts. Das Ziel ist es, eine möglichst keimfreie Pflege herzustellen, um die Hautreizung durch mögliche Bakterien oder Hefen gering zu halten, aber auch um möglichst gering  Konservierungsmittel einsetzen zu müssen. Denn auch diese können die Haut reizen.
Mit einer hygienischen Arbeitsweise und einer guten Konservierung haben Sie am Ende ein Produkt, das ein bis zwei Monate lang halten sollte.

  1. Die Hygiene fängt damit an, dass du den Arbeitsplatz, also den Ort, wo du deine eigene Kosmetik herstellst, reinigst. Dann solltest du Küchenpapiertücher darauf ausrollen und diese mit Isopropylalkohol besprühen.
  2. Zieh Einmal-Plastikhandschuhe an, die du ebenfalls mit Isopropylalkohol einsprühst.
  3. Produkte aus Glas (wie zum Beispiel Schälchen zum Abwiegen der einzelnen Inhaltsstoffe) kannst du mithilfe eines Dampfkochtopfs sterilisieren. Dazu gib sie in einen Einsatz und koche sie 20 Minuten lang ab.
  4. Produkte aus Plastik sterilisiere am besten mit Isopropylalkohol.
  5. Je geringer die produzierte Menge des fertigen Produktes umso schneller kannst du es aufbrauchen. So senkst du die Gefahr einer Verkeimung über die Zeit.
  6. Auch die Aufbewahrung im Kühlschrank kann helfen, die Lebensdauer eines Produktes zu verlängern.
  7. Bei der Verwendung von Pumpspendern oder Tuben entfällt das Entnehmen des Produktes mit den Fingern – eine mögliche Keimquelle weniger.

Rührpraxis: Konservierung

Geeignete Konservierer sind unter anderem:

  • Pentylene Glycol (vor allem für wasserbasierte Produkte ideal. Wirkt zusätzlich feuchtigkeitsspendend)
  • Geogard® 221
  • Blend TBG
  • Rokonsal BSB-N

Achtung: Manche Konservierer wirken nur gegen Hefen oder Schimmelpilze, manche nur gegen Bakterien. Manchmal müssen deshalb verschiedene Konservierunsgmittel miteinander kombiniert werden.

Eher verzichten solltest du auf Alcohol bzw. Phenoxyethanol als Konservierer. Sie wirken potentiell reizend und austrocknend. Auch ätherische Öle sind tabu.

Rührpraxis: Der Rezepte-Rechner von olionatura

Mit dem Rezept-Rechner von Olionatura kannst du – nachdem du dich etwas in das Thema eingelesen hast, deine Rezepturen optimal planen.

Rührpraxis: Anpassung der Rezeptur

Wenn du dann endlich dein selbst gerührtes Produkt in den Händen hältst: erst einmal Glückwunsch! Nun beginnt die spannende Testphase. Wie fühlt sich das Produkt auf der Haut an? Bildet es Krümel (dann hast du vielleicht zu viel an Gelbildnern benutzt), spannt die Haut zu stark (dann muss die Fetthase evtl. erhöht werden) oder bekommst du Pustelchen (dann solltest du die Wirkstoffe kritisch betrachten und das nächste Mal durch Weglassen einzelner Stoffe austesten, wer der Bösewicht ist).

Tipp: Warte nach dem Rühren etwa 24 Stunden, bis du ein Produkt testest, dann ist es fertig „gereift“.

Im Web kursierende DIYs

Im Internet kursieren diverse Rezepte für gepimpte Gesichtswässer, also gekaufte Produkte, denen weitere Wirkstoffe hinzugefügt wird. Das ist als Einstieg sicher ein netter Versuch… und auch ich bin so auf das Rühren gekommen. Das Problem ist allerdings, und das wurde mir in der Rührküche auch schnell gesagt, das die Konservierung des Gesichtswassers auf die exakte Zusammensetzung, die es enthält, ausgerichtet ist. Das heißt: überschreiten wir die Wirkstoffmenge durch Stoffe, die wir hinzugeben, wird die Konservierung unsicher. Potentielle Verkeimungsgefahr und damit auch potentielle Hautreizung. Mit einer Aufbewahrung im Kühlschrank und einem zügigen Verbrauch kann man die Gefahr aber etwas senken.

Erstes Rezept

Besser ist es, sich selbst ein feuchtigkeitsspendendes, entzündungshemmendes Gesichtswasser herzustellen, wie zum Beispiel dieses hier:

100 % Wasserphase (50 g)
– 44,5 g Destilliertes Wasser (89 %)
– 1.5 g Panthenol (3 %)
– 1.5 g Niacinamide (3 %)

Konservierung (2.5 g | 5 %):
– 2.5 g Pentylene Glycol (5 %)

  • Zunächst wird die Arbeitsplatte wie oben beschrieben vorbereitet. Beachte dabei auch die weiteren Anweisungen zur Hygiene.
  • Dann werden 3 Glasschälchen, das Glasteil eines kleinen Sprühflasche (du kannst auch eine kleine Flasche ohne Sprühaufsatz nur mit Deckel verwenden) und ein Glasgefäß für das Wasser in einen Dampfkochtopf mit Einsatz gestellt und 20 Minuten lang sterilisiert. (Optional mit Isopropylalkohol besprühen.) Auch ein Glasrührstab oder Plastiklöffel sollte sterilisiert werden.
  • Wiege nun mit einer Feinwaage die einzelnen Wirkstoffe und den Konservierungsstoff ab.
  • Das Wasser wird abgemessen und optional nochmal 10 Minuten abgekocht.
  • Lass das Wasser abkühlen und fülle es wieder in das Gefäß.
  • Gebe nun die Wirkstoffe und den Konservierungsstoff in das Wasser und rühre sie gut um.
  • Wenn du einen Lackmustest hast, prüfe nochmal nach, ob der pH auch bei 5 bis 5.5 liegt. Dies dürfte aber der Fall sein!
  • Fülle dein Gesichtswasser nun in die Glasflasche.

Fertig!
Teste das Gesichtswasser am kommenden Tag vorsichtig, um eine Unverträglichkeit auszuschließen.

Heike Käser hat übrigens auch zwei tolle Bücher zum Thema Kosmetik selber machen herausgegeben:
Naturkosmetische Rohstoffe: Wirkung, Verarbeitung, kosmetischer Einsatz und Naturkosmetik selber machen: Das Handbuch

Und ihr? Was sind eure Erfahrungen mit dem Selberrühren bei Rosacea?

Ich freue mich über eure Kommentare!


Alles Liebe, Franziska

P.S.: Hier könnt ihr mein Buch bei Amazon bestellen.

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Die Autorin



Hallo, ich bin Franziska!
Hier lernst du, wie du deine Rosacea in den Griff bekommst. Ich habe auch ein Rosacea-Selbsthilfe-Buch geschrieben.

Sieh dir doch mal meine Vorher-Bilder an, die zeigen, was ich mit meiner 3-Raum-Methode erreichen konnte.

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