Kosmetik selber machen bei Rosacea - Eine Einführung
Gesichtspflege

Kosmetik selber machen bei Rosacea - Eine Einführung

7 Minuten Lesezeit

Auf den ersten Blick erscheint es unsinnig: Warum sollte man bei den abertausenden Cremes, Seren und anderen Pflegeprodukten, die es auf dem Kosmetikmarkt so gibt, Zeit und Geld damit verschwenden, seine Hautpflege selbst zu rühren?

Tja, diese Frage stellen sich wohl hauptsächlich all jene beneidenswerte Menschen, deren Haut relativ robust ist und kaum auf potentiell irritierende Inhaltsstoffe reagiert. Für alle, die gerne wissen, was genau in ihrer Pflege drinnen ist oder die eine Problemhaut haben, ist die Frage nicht ganz so abwegig. Denn selten produzieren Kosmetikfirmen Produkte, die – auch wenn sie eindeutig für das jeweilige Hautproblem beworben werden – wirklich und wahrhaftig für die überempfindliche oder der im Falle der Rosacea sogar kranke Haut gemacht sind.

Kein Wunder also, dass man in den entsprechenden „Rührforen“ einige Menschen mit Hautproblemen wie einem seborrhoischen Ekzem, perioraler Dermatitis, Psoriasis und natürlich auch Rosacea antrifft. Man ist hier also als empfindlicher Hauttyp in bester Gesellschaft und kann sich mit erfahreneren Rührern austauschen.

Ich persönlich habe sehr positive Erfahrungen in der Rührküche, dem Forum von Heike Käser, gemacht. Sie betreibt auch die für jeden Rührinteressierten sehr informative Seite olionatura.

🧘‍♀️ Geduld ist gefragt! 🧘‍♀️

Wenn auch du dich entschließt, die Pflege für deine Rosacea- oder empfindliche Haut selbst zu rühren, mach dir klar, dass vermutlich einige(!) Rührversuche notwendig sein werden, bis eine Pflege entsteht, die in der Zusammensetzung (Wirkstoffe, Fettanteil, Konservierung) so gestaltet ist, dass du sie gut verträgst.

Im Folgenden schreibe ich über meine Erfahrungen und die, die ich von anderen Selbstrührern im Forum so mitbekommen habe, damit all die, die einen ersten Einstieg in die Herstellung der eigenen Kosmetik finden wollen, ein paar grundlegende Infos zur Hand haben.

1️⃣ Rührpraxis: Die Fettphase 1️⃣

Es gibt einige Dinge, über die du dir vor dem Rühren klar werden solltest. Eines davon betrifft die Fettphase, also die enthaltenen Lipide (also Öle, aber auch Emulgatoren, Konsistenzgeber sowie fettlösliche Wirkstoffe) in deinem späteren Produkt. Dabei stellen sich die Fragen: Welche Öle willst du verwenden und wie hoch soll ihr Anteil in der fertigen Pflege sein?

Bei Rosacea solltest du vor allem auf besonders reizfreie Öle, wie Squalan, Neutralöl oder Wiesenschaumkrautöl  zurückgreifen. Manchmal werden auch andere Öle gut vertragen; oft wirken diese aufgrund der darin enthaltenen Stoffe, aber zu anregend für die empfindliche Rosacea-Haut. Mit den oben genannten bist du aber auf der sicheren Seite.

Weiter zu beachten ist, dass hohe Fettphasen die Haut abdichten und bei Rosacea zu Hitzestaus führen können. Die Fettphase sollte also möglichst gering gehalten werden.
Heike Käser stellt auf ihrer Webseite verschiedene Zusammensetzungen von Pflegeprodukten vor, die sich in ihrem Anteil von von Fett- und Wasserphase unterscheiden. Für Rosacea-Betroffene empfiehlt sich wohl am ehesten ein leichtes Hydrodispersionsgel mit einer Fettphase von etwa 5-10%. Zum Vergleich: Die meisten im Handel zu erwerbenden Produkte haben eine Fettphase von 15–30%.

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Im Winter oder wenn die Haut etwas reichhaltigere Pflege braucht (Trockenheit), kann die Fettphase minimal höher gestaltet werden. Hier musst du dich langsam herantasten. Eine Option ist auch, evtl. einen Tropfen eines reizarmen Öls zur gewohnten Pflege hinzuzugeben.

2️⃣ Rührpraxis: Die Wasserphase 2️⃣

Die Fettphase wird ergänzt durch die Wasserphase. Sie fällt, das sollte nun klar sein, wegen der niedrigen Fettphase entsprechend hoch aus. Das Problem hier: je höher die Wasserphase, desto anfälliger ist das Produkt für eine Verkeimung – damit steigt die Gefahr der Hautreizung. Eine gute Konservierung und eine hygienische Herstellung der Pflege (hierzu später mehr) ist also Pflicht. Die Industrie löst dieses Problem zum Teil durch sterile Entnahmesysteme, wie beispielsweise beim Produkt Tolérance Extreme von Avène.

Die Wasserphase besteht meist aus destilliertem Wasser und manchmal auch Pflanzenwässern (Hydrolaten). Letztere sind zwar toll, da sie die wasserlöslichen Stoffe der jeweiligen Pflanze mit sich bringen, sind aber auch mögliche irritantien. Deshalb solltest du erst einmal darauf verzichten.

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Übrigens: Auch die wasserlöslichen Wirkstoffe (wie Panthenol) zählen zur Wasserphase.

3️⃣ Rührpraxis: Die Wirkstoffe 3️⃣

Damit kommen wir auch zum wohl interessantesten Punkt des Selberrührens: den Wirkstoffen. Sie lösen sich in Ölen oder Wasser (manchmal auch in beidem), müssen zum Teil bei bestimmten Temperaturen gelöst werden und benötigen manchmal einen bestimmten pH-Wert, um ihre Wirkung entfalten zu können.
Bevor du (zu) viele Wirkstoffe in entsprechenden Rührshops bestellst, mach dir klar, dass für normale Haut meist ein Prozentsatz von Wirkstoffen im fertigen Produkt von 10% verwendet wird. Es kann gut sein, dass deine Rosacea-Haut dies akzeptiert; oft wird aber auch eine geringere Wirkstoffkonzentration benötigt – beispielsweise 5%. Das musst du selbst austesten.

Auf den ersten Blick ist die Fülle der Inhaltsstoffe, die einem beim Durchsehen des Angebots von Rührshops wie alexmo bietet, unüberschaubar. Fast alles klingt gut und man will der Haut ja auch etwas Gutes tun, nicht wahr?
Leider nein. Denn gerade bei der Rosacea, das musste auch ich, wie so zahlreiche Selbstrührer nach zahlreichen Rührversuchen erkennen, geht es vor allem darum, eine wenig anregende Pflege mit wenigen Ölen und wenigen verträglichen Wirkstoffen herzustellen. Von den 100 Produkten, für die man sich interessiert, bleiben am Ende also vielleicht nur 10 übrig, die sich tatsächlich für die kranke Haut eignen. Wenn man dies erstmal erkannt hat, ist der erste Schritt  schonmal getan. Hier ist also Vernunft und etwas Disziplin beim Kauf gefragt 🙂

Besonders gute Erfahrungen haben ich und auch andere Rosacea-Betroffene unter anderem mit den folgenden Wirkstoffen gemacht (die empfohlenen Einsatzkonzentrationen lesen Sie auf den Shopseiten):

  • Panthenol (wundheilungsfördernd)
  • Kaktusfeigenextrakt in Glycerin (feuchtigkeitsspendend)
  • Centella/Tigergrasextrakt in Glycerin

Probier einfach selbst vorsichtig aus, welche Wirkstoffe deine Haut mag und welche nicht!

💡
Achte beim Kauf der Wirkstoffe darauf, dass in ihnen kein Alkohol enthalten ist. Beispielsweise gibt es den Centellaextrakt auch als alkoholischen Auszug. Diesen solltest du vermeiden.

4️⃣ Rührpraxis: Der pH-Wert 4️⃣

Der pH-Wert sollte bei den selbst hergestellten Produkten auf einen hautfreundlichen pH-Wert von 5-5,5 eingestellt werden.
Dieses leicht saure Wert unterstützt die Haut dabei, ihren natürlichen Säureschutzmantel zu bewahren und so weniger empfindlich auf Reize zu reagieren. Wenn ein Produkt zu stark in den alkalischen Bereich tendiert, also zum Beispiel einen H-Wert von 7 hat, kann man sie vorsichtig mit Zitronensäurelösung einstellen. Man kann sie fertig kaufen. Vorsicht bei Milchsäure zum Einstellen des pH-Wertes. Diese wird oftmals nicht gut vertragen.

5️⃣ Rührpraxis: Hygiene 5️⃣

Wer nicht bereit dazu ist, den entsprechenden Aufwand zu betreiben, um hygienisch zu arbeiten, für den ist das Selberrühren wohl eher nichts. Das Ziel ist es, eine möglichst keimfreie Pflege herzustellen, um die Hautreizung durch mögliche Bakterien oder Hefen gering zu halten, aber auch um möglichst wenig Konservierungsmittel einsetzen zu müssen. Denn auch diese können die Haut reizen.

Mit einer hygienischen Arbeitsweise und einer guten Konservierung hast du am Ende ein Produkt, das ein bis zwei Monate lang halten sollte.

  1. Die Hygiene fängt damit an, dass du den Arbeitsplatz, also den Ort, wo du deine eigene Kosmetik herstellst, reinigst. Dann solltest du Küchenpapiertücher darauf ausrollen und diese mit Isopropylalkohol besprühen.
  2. Zieh Einmal-Plastikhandschuhe an, die du ebenfalls mit Isopropylalkohol einsprühst.
  3. Produkte aus Glas (wie zum Beispiel Schälchen zum Abwiegen der einzelnen Inhaltsstoffe) kannst du mithilfe eines Dampfkochtopfs sterilisieren. Dazu gib sie in einen Einsatz und koche sie 20 Minuten lang ab.
  4. Produkte aus Plastik sterilisiere am besten mit Isopropylalkohol.
  5. Je geringer die produzierte Menge des fertigen Produktes umso schneller kannst du es aufbrauchen. So senkst du die Gefahr einer Verkeimung über die Zeit.
  6. Auch die Aufbewahrung im Kühlschrank kann helfen, die Lebensdauer eines Produktes zu verlängern.
  7. Bei der Verwendung von Pumpspendern oder Tuben entfällt das Entnehmen des Produktes mit den Fingern – eine mögliche Keimquelle weniger.

6️⃣ Rührpraxis: Konservierung 6️⃣

Geeignete Konservierer sind unter anderem:

  • Pentylene Glycol (vor allem für wasserbasierte Produkte ideal. Wirkt zusätzlich feuchtigkeitsspendend)
  • Blend TBG
  • Chemikons PE 9010

Achtung: Manche Konservierer wirken nur gegen Hefen oder Schimmelpilze, manche nur gegen Bakterien. Manchmal müssen deshalb verschiedene Konservierunsgmittel miteinander kombiniert werden.

7️⃣ Rührpraxis: Der Rezepte-Rechner von olionatura 7️⃣

Mit dem Rezept-Rechner von Olionatura kannst du – nachdem du dich etwas in das Thema eingelesen hast, deine Rezepturen optimal planen.

8️⃣ Rührpraxis: Anpassung der Rezeptur 8️⃣

Wenn du dann endlich dein selbst gerührtes Produkt in den Händen hältst: erst einmal Glückwunsch!

Nun beginnt die spannende Testphase. Wie fühlt sich das Produkt auf der Haut an? Bildet es Krümel (dann hast du vielleicht zu viel an Gelbildnern benutzt), spannt die Haut zu stark (dann muss die Fetthase evtl. erhöht werden) oder bekommst du Pustelchen (dann solltest du die Wirkstoffe kritisch betrachten und das nächste Mal durch Weglassen einzelner Stoffe austesten, wer der Bösewicht ist).

💡
Warte nach dem Rühren etwa 24 Stunden, bis du ein Produkt testest, dann ist es fertig „gereift“.

⚠️ Im Web kursierende DIYs ⚠️

Im Internet kursieren diverse Rezepte für gepimpte Gesichtswässer, also gekaufte Produkte, denen weitere Wirkstoffe hinzugefügt wird. Das ist als Einstieg sicher ein netter Versuch… und auch ich bin so auf das Rühren gekommen. Das Problem ist allerdings, und das wurde mir in der Rührküche auch schnell gesagt, das die Konservierung des Gesichtswassers auf die exakte Zusammensetzung, die es enthält, ausgerichtet ist. Das heißt: überschreiten wir die Wirkstoffmenge durch Stoffe, die wir hinzugeben, wird die Konservierung unsicher. Potentielle Verkeimungsgefahr und damit auch potentielle Hautreizung. Mit einer Aufbewahrung im Kühlschrank und einem zügigen Verbrauch kann man die Gefahr aber sicher etwas senken - auch, wenn ich es nicht empfehle.

Heike Käser hat übrigens auch zwei tolle Bücher zum Thema Kosmetik selber machen herausgegeben:
Naturkosmetische Rohstoffe: Wirkung, Verarbeitung, kosmetischer Einsatz und Naturkosmetik selber machen: Das Handbuch


Alles Liebe, Deine Franziska

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Hier gibt es meinen "Ernährungsratgeber Rosacea" mit 66 Rezepten bei Amazon.

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