Demodexmilben und Rosacea - "Reizende" Hautbewohner
Rosacea

Demodexmilben und Rosacea - "Reizende" Hautbewohner

20 Minuten Lesezeit

Welche Rolle spielt die Demodexmilbe bei Rosacea? Hat sie bei jedem Betroffenen einen Anteil an Symptomen wie Schuppen, Rötungen und Pusteln im Gesicht? Und vor allem: Wenn man betroffen ist, was kann man gegen die Haarbalgmilbe tun?
Diesen Fragen werden wir uns – soweit die Wissenschaft Antworten dazu bereit hält – in diesem Blogpost widmen.

💡
Einen spannenden aktuellen Artikel zur Demodexmilbe findest du hier.

Zunächst einmal wollen wir die kleinen Bewohner unser aller Haut besser kennen lernen.

🪳 Was sind Demodexmilben? 🪳

Auch wenn die Vorstellung, dass kleine Milben auf unserer Haut leben, im ersten Moment bei den meisten ein "Iiiieh!" hervor rufen dürfte: Sie sind, zusammen mit vielen anderen mikroskopisch kleinen Hautbewohnern, ein normaler Teil der Hautflora.
Die Besiedlung mit Demodex an sich erfordert also keine Behandlung, so lange keine Symptome auftreten. Problematisch wird es erst dann, wenn das natürliche Gleichgewicht der Haut - zum Beispiel durch eine Überbesiedlung - aus der Balance gerät.

💡
Die Besiedlung mit den Haarbalgmilben nimmt im Laufe des Lebens stetig zu. So sind mit steigendem Alter bei fast allen Menschen Demodexmilben zu finden.

Wissenswertes zur Demodexmilbe

  • Die Demodexmilbe soll bereits im Jahr 1842 erstmals vom deutschen Dermatologen Gustav Simon entdeckt worden sein.
  • Es gibt über einhundert Arten der Demodexmilbe – zwei davon, die auf der menschlichen Haut leben und ihn als Wirt nutzen, sind die länglichen Milben mit den Namen Demodex folliculorum und Demodex brevis. Frühen Beschreibungen zufolge sorgt wohl die erst genannte Variante vor allem für Symptome im Gesicht, während die zweite erwähnte Variante hauptsächlich an Hals, Brust und anderen Körperteilen für Symptome sorgt. Quelle
  • D. folliculorum ist ca. 0.3mm bis 0.4mm lang und bewohnt die Haarfollikel (Gesicht), oft mit mehreren Milben zusammen.
  • D. brevis hingegen sind nur ca. halb so groß und lebt tief in den Talg- sowie den Meibom-Drüsen (Talgdrüsen am Rand der Augenlider).
  • Das Spinnentierchen hat seinen Namen von den griechischen Begriffen „Demos“ (Haut) und „Dex“ (Wurm).
  • Die Demodexmilbe ist der bei Menschen am häufigsten vorkommende Ektoparasit - also ein Parasit, der unsere Haut bewohnt.
  • Da sich die Milben vor allem von Hautfett ernähren, kommen sie in all den Bereichen des Körpers vor, die besonders viele Talgdrüsen aufweisen: dem Gesicht (und dort besonders der Nase, Wangen, Stirn und Kinn) sowie dem äußeren Ohr, der Brust und auch teilweise dem Genitalbereich. Quelle Dies ist auch der Grund, warum die Milbe kaum bei Babys/(Klein-)Kindern zu finden ist: sie produzieren nicht ausreichend Hautfett, von dem sich die Milbe ernähren könnte.
  • Nicht nur die Milbe selbst, sondern auch der enzymatische Prozess, mit dem die Milbe ihr "Futter" aufspaltet, könnte eine Entzündungsreaktion in der Haut auslösen. Quelle
  • Mit ihren scharfen Fressöffnungen können die Milben das Gewebe schädigen. Quelle
  • Es klingt wie ein Horrorfilm: Wenn es dunkel ist kommen die Demodexmilben aus ihren „Verstecken“ heraus gekrochen. Sie sind nachtaktiv (und lichtempfindlich). Quelle Deshalb sind beispielsweise die Symptome einer durch Demodex verursachten Blepharitis (Entzündung der Augenlider) morgens meist am schlimmsten. Quelle
    Entsprechend ist davon auszugehen, dass auch die durch Demodex verursachten Hautprobleme (Rötungen, Schuppen, Pusteln und Co.) morgens besonders stark sind.
  • Der Lebenszyklus einer Haarbalgmilbe beträgt 14-18 Tage vom Ei bis zur „fertigen“ Milbe. Die männlichen und weiblichen Milben paaren sich auf der Haut und sorgen so während dieses recht kurzen Lebenszyklus‘ beständig für Nachwuchs. Entsprechend dauert die erfolgreiche Behandlung ein paar Wochen, um quasi auch die letzte Milbe von der Haut zu vertreiben.
  • Im Frühling und Sommer scheint sich - wohl aufgrund der steigenden Temperaturen - die Besiedlung zu erhöhen. Quelle
    Auch diese Studie erwähnt, dass tropisches/ warmes und feuchtes Klima sowie Sonnenstrahlung die Symptome verschlechtern kann.
  • Die zwei Arten von Demodexmilben, die auf der menschlichen Haut leben, unterscheiden sich von denen, die zum Beispiel auf Hunden oder Katzen leben. Da sie auf ihren Wirt spezialisiert sind, kommt es eigentlich nicht zu einer Übertragung, beispielsweise von Haustier zu Mensch. Allerdings gibt es seltene Fälle, wo es durch diese Form der Übertragung zu Symptomen beim Menschen gekommen ist. Quelle
  • Eine Überbesiedlung der Milbe wurde, außer bei Rosacea, auch bei Akne-Patienten und bei Vorliegen eines seborrhoischen Ekzems festgestellt.
💡
Da die Milbe es feucht und ölig liebt, kommt ihr übrigens auch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz-Masken sehr gelegen. Gerade, wenn sie länger getragen (1 - 6 Stunden) werden, erhöht dies unter anderem die Temperatur sowie die Produktion von Hautfett. Das vermehrte Sebum, die stärker durchblutete Haut und das vermehrte Schwitzen kann laut diesem Papier die Vermehrung der Milbe begünstigen.

🌹 Rolle der Demodexbesiedlung bei Rosacea 🌹

Die Demodexmilbe wird bislang als einer von mehreren Faktoren (neben UV-Strahlung, scharfes Essen, etc.) angesehen, der die Rosacea voranschreiten lassen und Schübe triggern kann. Die genaue Rolle der Milbe in Bezug auf die Rosacea ist bislang aber noch nicht abschließend geklärt. Manche Wissenschaftler räumen ihr aber eine zentrale Rolle im Krankheitsgeschehen ein.
Man spekuliert noch darüber, ob die erhöhte Zahl der Demodexmilbe - und auch das in ihnen wohnende Bakterium Bacillus oleronius - wie gerade erwähnt als einer von mehreren Faktoren die Rosacea mitverursachen, oder die Rosacea selbst durch die bestimmten Eigenheiten dieser Erkrankung (erhöhte Temperatur der Haut, erhöhte Reaktion der Haut-Immunsystems auf "Eindringlinge",...) die Überbesiedlung mit Demodex begünstigt und so ein Entzündungs-Teufelskreis am Laufen gehalten wird.

💡
Bacillus oleronius ist ein gram-negatives Bakterium, das auf der Demodexmilbe lebt und bei deren Absterben frei gesetzt wird. Kurz gesagt kann es bei Rosacea-Betroffenen über das alarmierte Haut-Immunsystem für Entzündungen sorgen. Quelle Andere Studien stellen die Beteiligung des Bakteriums in Frage.

So beeinflusst Demodex das Entzündungsgeschehen bei Rosacea

Es wird vermutet, dass die Milbe auf verschiedene Wege das Krankheitsgeschehen der Rosacea beeinflusst. So könnte beispielsweise die Tatsache, dass die Milben die Haar-/Talgdrüsenfollikel blockieren zu einer beeinträchtigten Hautbarriere führen sowie Gewebeschäden führen. Dadurch werden die so genannten Toll-like-Rezeptoren (vor allem TLR-2) aktiv. Sie erkennen "Eindringlinge" und mögliche Gefahren von außen und versuchen diese durch das Anstoßen einer Entzündungsreaktion zu eliminieren. Wie schon erwähnt führt nicht nur die Milbe (mit ihrem Chitinpanzer) selbst, sondern auch die beim Absterben der Milbe freigesetzten Bakterien aus ihrem Inneren für eine Entzündungsreaktion. Quelle und Quelle Die Folge sind die für Rosacea typischen Hautreaktionen: Ausschüttung von Mastzellen mit entzündungsfördernden Botenstoffen, Gefäßerweiterungen und Rötungen der Haut, Neubildung von Gefäßen, ...

Wie die Milbe genau auf das Immunsystem ihres Wirtes einwirkt, haben zwei Studien untersucht, deren Erkenntnisse ich im Folgenden kurz beschreiben möchte:

  • Während die Demodexmilbe bei einem geringen Vorkommen die Immunreaktion ihres Wirts (die gefährlich für sie werden könnte, weil sie als "Eindringlinge" erkannt werden könnten) zu unterdrücken scheint, kehrt sich dies nach längerer Zeit und der Zunahme der Besiedlungsdichte der Milben ins Gegenteil um und es kommt zu einer Entzündungsreaktion. Quelle
  • Eine Studie aus dem Jahr 2020, die der Milbe einen zentralen Punkt im Krankheitsgeschehen Rosacea einräumt, beschreibt eine weitere sehr interessante, mögliche Art und Weise, wie die Milbe ihr Überleben auf der Haut ihres Wirtes sichert. Kurz und knapp zusammen gefasst, wird darin vorgeschlagen, dass die Demodexmilbe in das Haut-Immunsystem ihres Wirtes eingreift und die T-Zellen in einen Erschöpfungszustand treibt, so dass sie sich in Folge unbehelligt vermehren kann. T-Zellen, auch T-Lymphozyten genannt (weil sie im Thymus - einem Organ des Immunsystems hinter dem Brustbein - heranreifen) übernehmen verschiedene Aufgaben im menschlichen Immunsystem. Sie erkennen körperfremde Stoffe und versuchen in Folge, diese aufgrund ihrer potentiellen Gefahr, zu beseitigen. Ihre vollständige Funktion können sie aber nicht unbegrenzt aufrecht erhalten. Werden sie dauerhaft durch vorliegende Antigene, also „Eindringlinge“ stimuliert, stellt sich ein Erschöpfungszustand ein. Die Folge: Weniger entzündungsfördernde Botenstoffe werden produziert, so dass die Immunantwort also geringer ausfällt und die Eindringlinge schlechter bekämpft werden können. Quelle

🤨 Rosacea oder Demodikose? 🤨

Die Symptome einer Demodikose - also eine krankhafte Überbesiedlung der Haut mit der Demodexmilbe - und die einer Rosacea (mit Demodexbeteiligung) sind nur schwer auseinanderzuhalten. Manche Wissenschaftler hinterfragen sogar, ob es sich wirklich um zwei getrennt voneinander zu betrachtende Erkrankungen handelt. Quelle Und auch die Symptome ähneln sich stark.

Diese Studie und auch diese Studie, stellen die Theorie auf, dass der Rosacea im ersten Stadium (nur Rötungen/Flushs) bereits eine Demodex-Überbesiedlung zugrunde liegen könnte. Die typischen follikulär auftretende Schuppen (sandpapierartiges Gefühl, z.B. auf den Wangen) bei einer Demodikose würden im Rahmen der ärztlichen Diagnose oft als trockene Haut missinterpretiert. Deswegen wird vorgeschlagen, bereits bei Rosacea im ersten Stadium mit einer gegen Demodex wirkenden Creme (z.B. Soolantra mit dem Wirkstoff Ivermectin) zu behandeln.
Dies passt auch zu dieser Veröffentlichung aus dem Jahr 2011, die die Hypothese aufgestellt, dass im ersten Stadium der Rosacea ein spezifischer Immundefekt gegenüber die Milbe ihre übermäßige Besiedlung begünstigt und dann im zweiten Stadium das Immunsystem mit einer Entzündungsreaktion auf die nun übermäßig vorhandenen Milben reagiert – was sich z.B. in Pusteln ausdrückt.

Die Wissenschaftler sind sich in einem einig: sie müssen die Demodexmilben sicher noch eine Weile beobachten, um mehr über sie und die von ihnen verursachten Haut-Erkrankungen herauszufinden.

🤓 Facts zur Demodexmilbe auf der Rosacea-Haut 🤓

  • Im Vergleich zu gesunder Haut findet sich bei Rosacea eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Demodex-Befall - dies betrifft sowohl die Rosacea im Stadium 1, als auch im Stadium 2.  Quelle#
    In dieser Studie wurde die Milbe bei Rosacea-Patienten in 90,2% der Fälle nachgewiesen werden, während nur 11,9% der gesunden Kontrollgruppe die Milben aufwiesen.
  • Auf der Haut von Rosacea-Patienten befinden sich durchschnittlich 12.8 Milben pro Quadratzentimeter, während es bei gesunden Menschen nur 0.7 Milben sind. Quelle
  • In einer Studie aus 2012 wird auf die veränderte Zusammensetzung des Hautfetts bei Rosacea hingewiesen, die eventuell die Demodexvermehrung begünstigen könnte.
    In dieser Studie, in der es um die Beziehung der Demodex-Besiedlungsdichte und oxidativem Stress bei Rosacea-Erkrankten ging, wurde unter anderem festgestellt, dass die Menge an Hautfett proportional zum Demodex-Befall steigt.
  • Einen Zusammenhang zwischen der Schwere der Rosacea-Symptome und der Demodex-Dichte auf der Haut wurde in der zuletzt verlinkten Studie nicht gesehen.  
    Dieses Papier berichtet hingegen davon, dass die Milben-Überbesiedlung vor allem bei schwereren Formen von Rosacea und auch Akne zu finden seien. Quelle
  • Laut diesem Papier sorgt der Demodexbefall bei Rosacea-Betroffenen dafür, dass die Hauterkrankung länger andauert (mehr als 5 Jahre) und es wahrscheinlicher ist, dass sie nach Abklingen wieder auftritt. Quelle
  • Wenn die Haut eher fettig ist, die Feuchtigkeit reduziert ist, der optimalerweise leicht saure pH-Wert der Haut ins Alkalische geht und größere Poren vorhanden sind, scheint dies einen Befall zu begünstigen. Zudem kann u.a. Stress die Wahrscheinlichkeit eines krankhaften Befalls steigern. Quelle

🔥 Symptome bei einer Überbesiedlung mit der Demodexmilbe 🔥

Die im Folgenden aufgelisteten Symptome einer Überbesiedlung mit der Demodexmilbe können - wenn nicht anders erwähnt - sowohl auf das Krankheitsbild einer reinen Überbesiedlung mit der Demodexmilbe (Demodikose), als auch auf eine (durch Demodex beeinflusste) Rosacea zutreffen.

Augen

  • Liegt ein Befall mit D. folliculorum vor, kann es am Auge dazu führen, dass die Haarfollikel der Wimpern geschädigt werden, was dazu führt, dass diese ausfallen können.
    Zudem kommt es durch die Milbe zu kleinsten Schädigungen, die zu einer übermäßigen Verdickung bzw. auch Verhornung der Haut führen. Dies wird dann als Symptom in Form von zylinderförmigen Schuppen sichtbar, die sich am Wimpernschaft ablagern.
    An den Augen kann sich dies zudem als Jucken, Rötungen, Brennen und schuppige Stellen rund um die Augen äußern. Dies sind ebenfalls Symptome einer Rosacea mit Augenbeteiligung.
    Auch eine Blepharitis (Augenentzündung) kann daraus folgen.
  • D. brevis hingegen sitzt tief in den Talgdrüsen, wo es die Öffnung blockiert. Das kann am Auge u.a. zu Gerstenkörnern führen.
💡
Weitere Infos zum Thema Demodex und Augen gibt es zum Beispiel hier. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, wie Reinigungstücher mit dem gegen Demodex wirksamen Stoff Terpinen-4-ol) oder auch IPL-Therapie. In den USA werden übrigens gerade Augentropfen zur Behandlung der Demodexmilbe am Auge untersucht. 

Haut

  • Diese Studie nennt die am meisten von Demodex betroffenen Stellen: Stirn (49%) und Wangen (44%).
    Bei Männern kam der Befall etwas häufiger vor (59%) als bei Frauen (30%).
  • Im ersten Stadium einer Demodikose, auch Pityriasis folliculorum genannt, sind die Symptome kaum erkennbar. Selbst der Hautarzt übersieht mitunter die Zeichen, wenn er sich die Haut nicht von Nahem (unter 30cm) und mit einer guten Lichtquelle ansieht. Symptome in diesem Stadium sind vor allem die so genannten follikulären Schuppen, also Schuppen rund um Haarfollikel, die sich bei genauerer Untersuchung als Demodex-Sammelstellen erweisen. Beim Darüberstreichen kann sich das sandpapierartig anfühlen. Hier gibt es ein gutes Bild, das die typischen Schuppen zeigt.
    Betroffene klagen zudem über ein Brennen, Rötungen, trockene und überempfindliche sowie unebene, raue Haut. Quelle
    Du siehst: Ganz ähnliche Symptome also, wie im ersten Stadium der Rosacea. Quelle
  • Die Rosacea im zweiten Stadium ist der fortgeschritteneren Demodikose wiederum in ihren Papeln, Pusteln, Gefäßveränderungen und Rötungen ähnlich. Demodexmilben finden sich in den Pusteln in mindestens 20-50% der Fälle. Quelle
    Auf dieser Seite findest du (nach etwas Herunterscrollen) zwei Bilder. Das rechte zeigt eine durch Demodex ausgelöste Rosacea.
  • Bei einer chronischen Demodexbesiedlung wurden eine Verdickung der Haut, verminderte Elastizität und blutig-eitrige Krusten beobachtet. Quelle
💡
Auch die Kopfhaut kann von beiden Krankheiten betroffen sein. Quelle

😑 Wer ist anfällig für einen erhöhten Demodex-Befall? 😑

Die folgenden Faktoren könnten im Hinblick darauf interessant sein, warum bei manchen Rosacea-Betroffenen der Demodexbefall besonders heftig auftritt, bzw. die Milbe für starke Symptome sorgt, währenddessen die Milbe bei anderen eine untergeordnete Rolle im Krankheitsgeschehen zu spielen scheint.

Besonders anfällig für eine Überbesiedlung scheinen Menschen zu sein, die...

  • …ein geschwächtes Immunsystem haben (HIV-Infizierte, Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen,…).
  • Weiter scheint auch evtl. eine genetische Veranlagung ausschlaggebend zu sein.
  • Zudem sollen auch Veränderungen der Blutgefäße (erweiterte Blutgefäße, erhöhte Durchlässigkeit, verstärkte Durchblutung), so wie sie auch bei der Rosacea vorkommen, den Befall eventuell begünstigen. Dies könnte das vermehrte Auftreten der Demodexmilben begünstigen und so zum Entzündungsgeschehen der Krankheit beitragen. Quelle
  • Auch eine vorherige Behandlung mit Kortison scheint einen krankhaften Befall mit Demodexmilben zu begünstigen. Übrigens scheint das auch der Fall zu sein, wenn eine periorale Dermatitis mit Kortison behandelt wurde.
  • Auch Menschen, die Calcineurin-Hemmer (Elidel Creme) scheinen dafür anfällig zu sein, eine Demodikose zu entwickeln. Quelle
  • Eine Studie aus 2020 nennt das metabolische Syndrom (Übergewicht, Bluthochdruck, Zucker- und Fettstoffwechselstörungen,...) als möglichen begünstigenden Faktor für eine krankhafte Demodex-Besiedlung.
💡
Demodexmilben mögen wie schon weiter oben beschrieben, fettige Haut. Also dürften auch Menschen mit einer Veranlagung dazu eventuell in Kombination mit anderen Faktoren eher zu einer Überbesiedlung der Haarbalgmilbe neigen.

Wenn eine von Rosacea-Betroffene Person also zum Beispiel eine Kortison-Behandlung hinter sich hat (das wird oft genug noch von Hautärzten verschrieben), so könnte es durchaus sein, dass sich in Folge eine Überbesiedlung mit Demodex daraus entwickelt und das dann wiederum die Rosacea anfeuert, indem die bereits erwähnten Toll-like-Rezeptoren Alarm geben und mit Entzündungsreaktionen gegen die "Eindringlinge" vorgehen.

🔬 Diagnose von Demodexmilben 🔬

Wenn du nun überlegst, wie man nachweisen kann, ob bei dir dir Milbe im Übermaß vorhanden ist, dann lies weiter. Im Folgenden schildere ich, welche Diagnosemöglichkeiten der Hautarzt hat.

  • Zum einen ist da - ganz simpel - das Zählen der Larven, Nymphen, Eier und Milben. Die Zahl der Milben muss mehr als 5 - mit Laven und Eiern - auf einem Quadratcentimeter des betroffenen Hautareals sein. Bei den Wimpern wird eine Milbe auf 2-4 Wimpern als normal angesehen. Dabei werden die Milben aus den betroffenen Stellen extrahiert, bzw. die Wimpern  der Demodexmilbe werden die Wimpern oder Augenbrauen vorsichtig entfernt, ohne die Haarfollikel zu schädigen.
  • Zum Nachweis der Milbe auf der Haut kann auch eine Oberflächen-Biospie durch einen Hornschicht-Abriss mit einem Cyanoacrylat-Schnellkleber durchgeführ werdent. Dieser Kleber wird auf einen Glasobjektgräger gegeben und auf die Haut angedrückt. Nach etwa einer Minute kann der Objektträger vorsichtig entfernt werden. Hierdurch werden die Milben aus den Talgdrüsenöffnungen gezogen und können unter dem Mikroskop nachgewiesen werden.
  • Mithilfe einer Hautbiopsie, bei der also eine Probe der Haut genommen wird, kann tiefer gehend untersucht werden, wie es um die Besiedlung mit Demodex bestellt ist. Es besteht die Gefahr der Bildung einer Narbe, da die Haut verletzt wird. Quelle
  • Eine neuere Methode ist das so genannte "superficial needle-scraping" (etwa "oberflächliches Nadel-Abkratzen"), zur Diagnose des Demodex-Befalls bei Rosacea mit Pusteln. Dabei werden etwa 5 kleine Pusteln von der Haut abgekratzt und die Menge an Milben darin untersucht.
  • Eine sehr gut geeignete Möglichkeit ist die konfokale Lasermikroskopie. Quelle
  • Auch die 20-MHz-Sonografie (Ultraschall) ist zu nennen. Quelle
  • Eine neue Studie hat eine weitere theoretische Diagnosemöglichkeit über das Sebum mit verbundener DNA-Analyse vorgestellt. Quelle
💡
Aus Erfahrung und Erzählungen kann ich sagen, dass nicht alle Dermatologen diese Arten von Tests durchführen. Am besten, ihr erkundigt euch schon vor dem Arztbesuch, wenn ihr einen Termin ausmacht, ob in der Praxis eurer Wahl solche Tests angewandt werden.

🔎 Spielt Demodex bei dir eine Rolle? 🔎

Wie du weißt, haben sehr viele Rosacea-Betroffene eine Überbesiedlung mit der Demodexmilbe. Wie oben erwähnt, wird teilweise sogar vermutet, dass die Demodexmilbe bei Rosacea schon zu Beginn der Erkrankung, also im ersten Stadium, eine Rolle spielt.
Fragst du dich nun, ob du eine oder mehrere der in diesem Post beschriebenen Behandlungsoptionen ausprobieren solltest? Ich denke, es lohnt sich auf jeden Fall. Vor allem, wenn folgende Merkmale auf dich zutreffen:

  • Wenn du zu den Personen gehören solltest, bei denen die klassische Rosacea-Therapie nicht zu helfen scheint, die also z.B. Metrocreme ausprobiert haben, aber nur bedingt oder gar keine Wirkung festgestellt werden konnte oder die Rosacea nach initialem Abklingen wieder auftrat, dann könnte es ein Hinweis darauf sein, dass bei dir die Demodexmilbe einen größeren Anteil an deinen Symptomen hat. Der antibiotische Wirkstoff Metronidazol wirkt wohl vor allem gegen die Entzündungen, die die Milben verursachen, aber nicht gegen die Milben selbst. Ivermectin (in Soolantra) ist Metronidazol in der Behandlung der Demodexmilbe deutlich überlegen. Quelle
  • Wenn der Hautarzt nach genauer Untersuchung bei dir die bereits beschriebenen "follikulären Schuppen (also Schuppen, die an Follikeln auftreten) feststellt. Beim Drüberstreichen kann sich die Haut (an den Wangen) sandpapierartig anfühlen.
  • Bei einem Demodex-Problem scheinen eher oberflächlicher gelegene Pusteln aufzutreten.
  • Meiner Erfahrung nach sind die Symptome bei einer Person, bei der die Demodexmilbe an den Symptomen beteiligt ist, wie schon weiter oben erwähnt, eher am Morgen besondern ausgeprägt, da die Milbe nachtaktiv ist.
    Bei anderen Betroffenen verschlechtern sich die Symptome eher über den Tag hinweg, weil sie dann mit potentiellen Triggern (Stress, UV-Strahlung etc.) in Kontakt kommen.
  • Nach einer Behandlung mit Cortison oder Elidel Creme kann es zu einer Überbesiedlung mit Demodexmilben kommen.  
  • Auch der Befall der Augen mit den typischen zylindrischen Schuppen an den Wimpernwurzeln ist ein Zeichen des Befalls und könnte dann entsprechend auch für einen symptomatischen Befall im sonstigen Gesicht sprechen. Betroffene Wimpern und Augenbrauen können ausfallen. Quelle
  • Die Symptome verschlimmern sich bei eher warmem und feuchtem Klima.
  • Wenn du ein durch Krankheiten und ggf. auch Medikamente etc. geschwächtes/unterdrücktes Immunsystem hast, erhöht dies ebenfalls die Wahrscheinlichkeit eines Demodex-Problems.
  • Wenn du nach einer IPL-Behandlung eine Verschlechterung der Symptome erlebst, könnte das eventuell auch ein Hinweis auf eine erhöhte Demodex-Besiedlung sein. Siehe blauer Infokasten unter "Behandlungsmöglichkeiten Dermatologe".

Wie aber schon gesagt: Ich denke, eine Überlegung hinsichtlich einer Behandlung gegen Demodex könnte sich bei fast jedem lohnen. Im Zweifelsfall sprich deinen Hautarzt darauf an und bitte um eine gründliche Untersuchung!

👩‍⚕️ Mögliche Behandlung bei einem Demodexbefall 👩‍⚕️

Zunächst ein paar Worte zu zwei im Internet gehypten Produkten, die gegen Demodex helfen sollen.

Demodex-Behandlung mit Teebaumöl und Demoderm (ZZ-Cream)?

Mir ist bewusst, dass es einige Seiten im Internet gibt, die einfache Lösungen gegen einen übermäßigen Demodexbefall anbieten: Cremes, Salben etc. sollen den unerwünschten Bewohnern den Garaus machen. Aber – das habt ihr vielleicht schon beim Durchstöbern meines Blogs bemerkt – solche vermeintlich einfachen Lösungen für Probleme machen mich immer etwas skeptisch. Und meist gibt es auch tatsächlich den ein oder anderen Nachteil an den vorgeschlagenen einfachen Lösungen, die derjenige, der dieses Produkt anpreist, nicht erwähnt. Schauen wir uns also zwei solcher vorgeschlagenen Lösungen für Häute mit Demodex-Problem an:

  • Es ist völlig korrekt, dass Teebaumöl wirksam gegen Demodexmilben ist. Allerdings, und deswegen rate ich nicht dazu, es anzuwenden (schon gar nicht pur) ist das Öl selbst verdünnt stark reizend. Bei der empfindlichen Rosacea-Haut also besser nicht verwenden.

    Interessant für uns ist übrigens der aus dem Teebaumöl isolierte Wirkstoff Terpinen-4-ol (ein farbloser Terpen-Alkohol mit blumig-würzigem Geruch). Er ist der potenteste Bestandteil des Teebaumöls im Kampf gegen Demodex und wirkt noch in einer Konzentration von 1% gegen die Milbe. Quelle Hinzu kommt, dass der Stoff weniger reizend ist, als das irritierende Teebaumöl als Ganzes. Spannend:  Terpinen-4-ol in 5%iger Konzentration sorgt dafür, dass die Milben eine durchschnittliche Überlebensdauer von 30-40 Minuten haben. Bei 1% überleben die Milben etwas länger als 1,5 Stunden. Das ist deshalb so interessant, weil man davon (natürlich nur grob) ableiten kann, wie lange ein mit dem Wirkstoff versehenes Produkt auf der Haut verbleiben muss, um einen Effekt zu erzielen.
    Der Stoff ist auch in den weiter oben erwähnten Tüchern gegen die durch Demodex verursachte Augenentzündungen enthalten.
    Unter dem Punkt "Behandlungsmöglichkeiten zu Hause" stelle ich übrigens Produkte vor, die den Stoff enthalten!
  • Ein anderer Fall ist die Demoderm oder ZZ Creme. Sie hat eine äußerst harsche Formulierung. Wir finden hier austrocknendes (aber ansonsten nicht so schlechtes) Zinc Oxide sowie Sulfur (Schwefel wurde früher von Dermatologen auch bei Rosacea verschrieben, kann aber mitunter Hautreizungen verursachen), stark reizendes Menthol (sorgt für Frischegefühl auf der Haut, irritiert sie aber) und Salicylsäure (viele Betroffene reagieren empfindlich darauf). Zudem ein Tensid (Sodium Lauryl Sulfate), was durch die Cremeformulierung auf der Haut verbleibt und somit die Barriere beeinträchtigen kann. Weiter enthalten sind Silikone und Vaseline (sind aber zu verkraften). Benzyl alcohol ist ein Riech- und Aromastoff, der bei empfindlicher Haut Probleme machen kann. Als am problematischsten sehe ich vor allem die dauerhafte Anwendung der Creme an (besonders wegen Menthol). Hier kann man sich auch ein Problem, das man vorher nicht hatte, ins Gesicht "pflegen". Die "Leitlinie Rosacea" rät übrigens konkret dazu, Menthol wegen der reizenden Wirkung zu meiden.
    Wer nur an einer Demodikose und/oder einer robusteren Akne-Haut (mit Demodex-Beteiligung) leidet, für den könnte die Creme einen Versuch wert sein. Bei Rosacea aber aus den beschriebenen Gründen nicht!
    Ich selbst habe die Creme, wie sie auch heißt, auch schon ausprobiert und sie nach kurzer Zeit aufgrund der reizenden, stark austrocknenden Wirkung abgesetzt. Meiner Meinung nach hat sie das Potential, vor allem wenn sie großflächig aufgetragen wird, die Rosacea aufgrund der eben beschriebenen Wirkung der Inhaltsstoffe, potentiell zu verschlechtern.

Meiner Meinung und Recherchen nach sollten Betroffene, bei denen die Demodexmilbe eine Rolle bei den Symptomen spielt, erstmal andere Wege suchen, der Symptome Herr zu werden. Lies dir also gern im Folgenden die dermatologischen Behandlungsmöglichkeiten und weitere Tipps gegen die Demodexmilbe durch.

Behandlungsmöglichkeiten Dermatologe

  • Soolantra mit dem Pestizid und Wirkstoff Ivermectin soll die Demodex-Milbenzahl in einem Zeitraum von 12 Wochen um mehr als 99% reduzieren können. In einer Studie mit Patienten mit moderater bis schwerer papulopustulöser Rosacea zeigte sich die Überlegenheit einer 16-wöchigen Therapie mit Ivermectin 10 mg/g Creme gegenüber Metronidazol 0,75% zweimal täglich. Mit Ivermectin erreichten 60% mehr Patienten einen symptomfreien Status. Bei schwerer Rosacea sei der Unterschied noch einmal deutlich höher. Quelle
    Auch gegen die durch Demodex hervorgerufene Rötung soll Soolantra wirksam sein. Quelle
    Auf ähnliche Weise wie Ivermectin wirkt auch Permethrin.
💡
Stichwort Erstverschlechterung: Viele schreiben übrigens, dass sie Soolantra ausprobiert haben, aber die Creme nicht geholfen hat und es schlimmer wurde. Das kann ein Trugschluss sein bzw. ein Hinweis auf die Wirkung der Creme, die dann aber viel zu früh abgesetzt wird. Soolantra sollte 4 Wochen aufgetragen werden, bevor die Wirkung voll eintritt. In der ersten Wochen kann es zu einer Verschlechterung kommen, die oftmals mit dem Absterben der Milben (und dem Freisetzen des in ihnen wohnenden Bakteriums) erklärt wird. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion.
  • Auch können Ivermectin 1% Creme und Brimonidin Gel kombiniert werden. Beides wird jeweils einmal täglich aufgetragen. Nach dreimonatiger Anwendung sollten sich die Symptome bessern. Quelle
  • Ivermectin 1% Creme in Kombination mit niedrig dosiertem Doxycyclin (40mg/Tag) wurde erfolgreich zur Therapie der schweren Rosacea eingesetzt. Quelle
  • Das Antibiotikum Metronidazol kann oral (also in Tablettenform) angewendet werden. Wie zum Beispiel hier beschrieben.
  • In der Vorstellung, dass durch Retinoide (Vitamin A Säuren) den Milben die Lebensgrundlage entzogen werden kann (durch die geringere Hautfettproduktion, etc.), kann man in schweren Fällen überlegen, niedrig dosiertes Isotretinoin einzunehmen.
  • Möglicherweise hilft auch die Therapie mit einem pro-yellow Laser. In dieser Studie wird beschrieben, dass der Laser die Demodexzahl reduzieren konnte.
  • Auch gepulster Farbstofflaser (PDL), Nd:YAG-Laser (eher im ersten Stadium der Rosacea) und IPL sollen helfen, die Demodexbesiedlung zu reduzieren. Quelle, Quelle und Quelle
💡
Sehr, sehr spannend: Wenn aufgrund der Diagnose Rosacea eine IPL, Nd:YAG oder PDL-Behandlung durchgeführt und ein Demodexbefall vorliegt, dann kann das mitunter wohl zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen. In einer Studie nahmen die Wissenschaftler/Mediziner an, dass das daran liegen könnte, dass es eine Möglichkeit sei, dass die Demodexmilben dort, wo die Lichttherapie eingesetzt wurde, getötet wurden, und dies dann im Zuge ihres folglichen Absterbens zu einer Entzündungreaktion geführt hat. Quelle und Quelle Für mich ist das besonders interessant, weil ich nach einer IPL-Behandlung tatsächlich schon unter einer unerklärlichen Verschlechterung der Symptome (Pusteln) an den behandelten Stellen gelitten hatte, ohne, dass es sich die Ärztin erklären konnte.
Diese Studie schlägt vor, erst eine Demodex-Behandlung (zum Beispiel mit Soolantra) durchzuführen und dann die Lichttherapie durchzuführen.

Behandlungsmöglichkeiten zu Hause

Die im Folgenden genannten Behandlungsmöglichkeiten kann man zusätzlich zu der Behandlung mit Medikamenten anwenden und beobachten, ob sie der Haut gut tun. Sie basieren vor allem aus Erkenntnissen, die ich im Laufe der Zeit gewonnen habe und Maßnahmen, über die sich andere Betroffene im Internet positiv geäußert haben.

  • Tägliches Wechseln des Kopfkissens (und Waschen des Kopfkissens bei hohen Temperaturen).
  • Zwei Mal tägliches Waschen des Gesichts mit einem Waschgel. Auch die Augenbrauen und Wimpern nicht vergessen. Mindestens 30-60 Sekunden!
  • Reizarme Hautpflege, die den pH-hautneutralen (leicht sauren) Wert von etwa 5,5 respektiert. Die Demodexmilbe scheint wie gesagt einen höheren (ins Alkalische gehenden) pH-Wert auf der Haut zu bevorzugen.
  • Überhitzung, z.B. durch warme Räume vermeiden.
  • Schweiß nicht zu lange auf der Haut belassen. Das mag die Rosacea - unabhängig von Demodex - sowieso nicht gern. Zum Beispiel also das Workout morgens machen und direkt danach das Gesicht reinigen.
  • Öligkeit der Haut reduzieren, da die Milben Fett mögen. (Milchprodukte weglassen, evtl. Zink-Nahrungsergänzungsmittel,...)
    Abtupfen mit Kosmetiktüchern über den Tag hinweg.
  • Fettige Pflege und Make-up vermeiden. Generell eher wasserbasierte Pflegeprodukte, wie Seren.
  • Wenn die Augen betroffen sind: Augen-Hygiene, wie weiter oben erwähnt. Dabei aufpassen, dass möglichst die Gesichtshaut ausgespart wird. Sonst kann es zu Reizungen kommen.
  • Ob Demodexmilben sich von blauem und/oder rotem LED-Licht beeindrucken lassen, ist noch nicht abschließend geklärt, obwohl es vereinzelte Hinweise gibt.
  • Nachfolgend stelle ich ein paar Produkte vor, die den oben bereits erwähnten und gegen Demodex wirksamen, aus Teebaumöl gewonnenen Stoff Terpinen-4-ol enthalten.

    Zunächst einmal ist da die Hyséac SOS-Paste der französischen Apotheken-Marke Uriage. Sie soll laut Hersteller gegen Unreinheiten wirken.  Auch, wenn wir nicht wissen, wie die Konzentration des Stoffes ist - viel kann es nicht sein - und (sehr geringe Mengen) an evtl. reizender Salicylsäure enthalten ist (testen!), ist diese Paste meiner Meinung nach eine mildere Alternative zur Demoderm-Creme.
    Während in Demoderm Sulfur (Schwefel) enthalten ist, ist in der Paste von Uriage sulfoniertes Schieferöl (hoher Gehalt an organisch gebundenem Schwefel) enthalten. Zum Thema Schwefel bei Demodex liest du unter dem nächsten Punkt mehr.
    Experimentell könnte man versuchen, diese Paste wie eine Maske aufzutragen (am besten aufs ganze Gesicht) und sie etwa 1,5 Stunden einwirken zu lassen. Dann wieder abnehmen. Eventuell wäre eine Anwendung gleich morgens ideal (wenn auch nicht so praktisch), da die Milben ja nachtaktiv sind und morgens im Dunkeln eventuell noch stärker auf den Wirkstoff in der Paste reagieren. Das sind aber nur Vermutungen. Die ganze Nacht würde ich die Paste nicht drauf lassen. Zudem empfiehlt sich ein Test auf einer kleinen Stelle im Gesicht. Abschließend noch die Info, dass das Döschen, in der sich die Paste befindet, recht klein (15g Inhalt) ist, weswegen sie wahrscheinlich nur bedingt zur Anwendung als Maske im ganzen Gesicht eignet. Allerdings kann man sie sehr dünn auftragen.

    Hier in dieser Sheetmask ist (wenn auch die Konzentration unbekannt ist, sowohl Teebaumextrakt als auch Terpinen-4-ol enthalten.

    Auch das für den Intimbereich gedachte Waschgel von Australian Bodycare enthält - wenn auch nicht viel - Teebaumöl und 4-Terpineol. Konkret in den folgenden Mengen: Teebaumöl 0,625%, Terpineol 0,1665% (Großes Lob an den sehr hilfreichen Kundenservice!).
    Enthält allerdings Lactic Acid (Milchsäure), was mitunter nicht gut vertragen wird. Zudem macht die geringe enthaltene Menge des gegen Demodex wirksamen Stoffes und die geringe Verweildauer im Gesicht das Waschgel vermutlich nicht wirklich wirksam.

    Wie oben erwähnt, findet sich 4-Terpineol in den für die Augen gedachten Tüchern gegen die Demodexmilbe. Ich habe bei dem Hersteller der Tücher angefragt und sehr schnell und freundlich eine Antwort auf die folgende Frage bekommen, ob man die Tücher auch im Gesicht anwenden kann. Die Antwort war, dass die Tücher zwar zur Reinigung der Lidkanten bei Demodex-Blepharitis empfohlen werden, aber man nicht wisse, was gegen eine Anwendung im Gesicht sprechen sollte."
    Enthalten sind  2.5% Terpinen-4-ol. Geht man von dieser Studie aus, müsste man den Wirkstoff etwa eine Stunde auf der Haut belassen. Dann mann man ihn theoretisch abwaschen - muss man wahrscheinlich aber nicht.
    Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich nicht getestet habe, ob die Tücher zur Anwendung im Gesicht verträglich sind.
    Die (okayenen) Inhaltsstoffe sind: PEG-8, Polysorbat 80, Poloxamer 184, Terpinen-4-ol, Macrogol-6-Capryl/Caprinsäure-Glyceride, Natriumhyaluronat, Dikaliumphosphat, Kaliumdihydrogenphosphat, gereinigtes Wasser.
    Weitere Infos zur Anwendung findest du hier unter "Weitere Produktinformationen".

    Sie enthält nur Teebaumöl, ist dafür aber ein günstiges Produkt vom Drogeriemarkt: die Maske von alkmene, die es bei müller gibt. Wie alle Produkte auch dieses vorsichtig testen.
  • Dass Schwefel/schwefelhaltige Stoffe eventuell gegen Demodexmilben helfen könnten, darauf gibt es ein paar wenige Hinweise. Quelle, Quelle und Quelle Früher wurde er sogar generell gegen Rosacea eingesetzt. Allerdings kann er mitunter reizen. Das musst du, wenn du ein entsprechendes Produkt anwendest, selbst beobachten. Natürlich kann es auch immer an der restlichen Zusammensetzung des Produkts liegen und nicht an einem einzelnen Stoff selbst.
    Tatsächlich ist es so, dass wenn man nach entsprechenden Produkten sucht, oft solche findet, die zwar Schwefel/schwefelhaltige Stoffe enthalten, aber stark reizend sind. Wenige wiederum sind nicht top, aber annehmbar und für "einen Versuch wert"-formuliert. Auch diese Maske kann man testen.
    Andere Produkte sind als Shampoo gedacht und nicht für die Hautpflege. Was einen natürlich nicht davon abhalten sollte - wenn die Rosacea auf sonst nichts anderes anzusprechen scheint und eine Demodex-Überbesiedlung sehr wahrscheinlich ist - vorsichtig zu testen, ob man ein solches Shampoo nicht einmal als Waschgel, sehr sparsam dosiert, verwendet. Hierfür übernehme ich aber keine Garantie. Ich kann nur von mir selbst berichten, dass ich zum Beispiel ein Ketoconazol-Shampoo gegen ein seborrhoisches Ekzem bereits im Gesicht verwendet habe - erfolgreich. Oder von Akne-Betroffenen, die das Selsun-Blue-Shampoo in den Himmel loben.
💡
Egal, wie du deine Rosacea mit Demodex-Beteiligung behandelst: Es ist etwas Geduld gefordert. Mindestens einen Monat, manchmal auch bis zu zwei oder sogar drei Monate solltest du warten, um Erfolge zu sehen.

👉 Fazit 👈

Am Beispiel des Themas Demodex kann man übrigens sehr gut sehen, wie die Wissenschaft „funktioniert“ und dass Studien oft mehr als Hinweise zu sehen sind, die eher als Theorien zu betrachten sind, bis sie eindeutig als bewiesen gelten. Oft schreiben dies die Autoren auch am Ende ihrer Studien: „This topic needs to be further investigated“, also: „Dieses Thema muss noch weiter untersucht werden.“
So bilden Studien oft nur momentane Kenntnisstände und Theorien ab, die so lange als aktuell gelten, bis andere Studien die erlangten Erkenntnisse widerlegen oder auch weiter bestätigen.

Was wir momentan wissen:

  • Das Krankheitsgeschehen bei Rosacea wird von der Demodexmilbe beeinflusst.
  • Rosacea-Betroffene haben eine erhöhte Anzahl der Milben auf der Haut.
  • Bestimmte Faktoren (Unterdrückung des Immunsystems, Anwendung von Cortison, etc.) begünstigen eine krankhafte Überbesiedlung.
  • Soolantra ist ein wirksames Medikament zum Auftragen auf die Haut, das gegen Demodex hilft und auch gegen Entzündungen wirkt. Weitere schulmedizinische Behandlungsmöglichkeiten sind oben beschrieben.
  • Mit verschiedenen Maßnahmen lässt sich auch zuhause in gewissem Maße auf die Milbe einwirken.
  • Eine einfache und schnelle Lösung gibt es nicht. Von Demoderm/ZZ-Cream etc. rate ich bei Rosacea mit Demodex-Beteiligung ab -> zu reizend.

Alles Liebe, Deine Franziska

P.S.: Hier kannst du mein Buch "Rosacea - Das hilft wirklich" bei Amazon bestellen.
Hier gibt es meinen "Ernährungsratgeber Rosacea" mit 66 Rezepten bei Amazon.

*Hinweis gemäß DGSVO: Unbezahlte, unbeauftragte Werbung aufgrund möglicher Nennung von Marken.

*Wenn nicht anders erwähnt, sind die im Blogpost erwähnten Produkte selbstgekauft.

*Eventuell sind manche der im Text erwähnten Produkte mit Affiliate-Links versehen. Dies bedeutet, dass ich bei einem Kauf eine geringe Provision des jeweiligen Shops erhalte. Du bezahlst keinen Aufpreis!

🛒 Passende Produkte zu diesem Blogpost 🛒

Rosacea und Naturkosmetik - Das gibt es zu beachten

Naturkosmetik

Rosacea und Naturkosmetik - Das gibt es zu beachten

Wer mir schon etwas länger folgt und meine Blogbeiträge sowie mein Buch gelesen hat, der kennt wahrscheinlich im Groben meine Einstellung zu Naturkosmetik. Einerseits ist es so, dass es eine schöne Sache ist, wenn ich ein gutes Produkt habe, das wenig unnötige Zusatz- und schädliche Inhaltsstoffe hat und dann auch

mehr lesen